Eine Kanzlei-Website hat genau eine Aufgabe: dafür zu sorgen, dass jemand mit einem konkreten Anliegen bei Ihnen anruft und nicht bei der Kanzlei zwei Straßen weiter. Gestaltung, Technik und Ladezeit arbeiten dieser Aufgabe zu — oder gegen sie.
Der entscheidende Faktor ist dabei nicht das Design. Ein Mandat wird über Vertrauen vergeben, und Vertrauen entsteht im Netz durch Genauigkeit. Eine sorgfältig gestaltete Seite, die nicht erkennen lässt, welche Art von Fällen hier bearbeitet wird, verliert gegen eine schlichte Seite, die es in zwei Sätzen sagt.
Wie ein Mandant Ihre Website tatsächlich liest
Wer eine Kanzlei sucht, stöbert nicht. Er hat eine Kündigung im Briefkasten, einen Bescheid mit einer Frist, einen Erbfall oder eine Abmahnung — und er hat zwei Fragen: Ist das jemand für meine Sache? Und wie komme ich schnell zu einem Gespräch? Alles, was diese beiden Fragen nicht beantwortet, ist Beiwerk.
Typisch ist, dass drei oder vier Kanzleien parallel in Browser-Tabs geöffnet und die meisten davon nach wenigen Sekunden wieder geschlossen werden. Entschieden wird also nicht auf Ihrer Über-uns-Seite, sondern im oberen Bereich der Seite, auf der jemand landet. Dort muss stehen, was Sie bearbeiten, wer es bearbeitet und wie der erste Schritt aussieht.
Rechtsgebiete: benennen statt aufzählen
Der häufigste Fehler auf Kanzlei-Websites ist eine Liste mit vierzehn Rechtsgebieten auf der Startseite. Sie ist gut gemeint — niemand möchte ein Mandat ausschließen —, erreicht aber das Gegenteil. Wer alles anbietet, ist für nichts erkennbar der Richtige.
Nützlicher ist die umgekehrte Entscheidung: drei bis fünf Gebiete, die Sie wirklich wollen, und für jedes davon eine eigene Seite. Die übrigen Tätigkeiten dürfen weiterhin genannt werden, nur nicht mit demselben Gewicht. Eine eigene Seite je Gebiet ist auch der einzige Ort, an dem Sie konkret werden können:
- Die Ausgangslage, in der Mandanten typischerweise zu Ihnen kommen — in deren Worten, nicht in Paragrafen
- Was in den ersten Tagen zu tun ist und was warten kann
- Wie Sie arbeiten: wer die Sache bearbeitet, wie oft Mandanten von Ihnen hören, wie abgerechnet wird
- Woran Sie ein Mandat erkennen, das Sie nicht annehmen — das schafft mehr Vertrauen als jede Selbstbeschreibung
Nebeneffekt: Gesucht wird nach „Anwalt Arbeitsrecht Offenbach“, nicht nach „Rechtsanwaltskanzlei“. Eine Seite, die genau dieses Thema behandelt, kann auf eine solche Suche antworten; ein Stichpunkt auf der Startseite kann es nicht. Eine Platzierung lässt sich daraus trotzdem nicht ableiten — wer Ihnen Platz eins zusagt, verkauft etwas, das niemand liefern kann.
Was Kompetenz belegbar macht
Vertrauen entsteht nicht durch Behauptungen über sich selbst, sondern durch überprüfbare Angaben. Drei davon stehen jeder Kanzlei zur Verfügung und werden auf Websites regelmäßig unter Wert verkauft.
Fachanwaltstitel
Ein Fachanwaltstitel ist der stärkste einzelne Beleg auf einer Kanzlei-Website, weil ihn nicht die Kanzlei selbst vergibt. Er gehört an den Namen der Person, nicht in die Kopfzeile der Kanzlei, und er wird genau in der verliehenen Bezeichnung geführt — ohne Zusätze, ohne Steigerung. Führen mehrere Berufsträger Titel, gehört jeder Titel zu seinem Profil.
Werdegang
Ein Mandat wird an einen Menschen vergeben. Ein Profil mit Zulassungsjahr, Stationen, Schwerpunkten und Sprachen beantwortet die Frage „Mit wem spreche ich?“ besser als jeder Werbesatz. Und wenn Sie vorher in einer Behörde, einem Unternehmen oder einer anderen Kanzlei gearbeitet haben: Das ist der relevante Teil, nicht die Nebensache.
Veröffentlichungen und Vorträge
Aufsätze, Kommentierungen, Vorträge, Lehraufträge, Beiträge in Fachmedien — sie zeigen, dass Sie sich mit einem Gebiet über den Einzelfall hinaus befasst haben. Anzugeben sind Titel, Medium oder Veranstalter und Jahr. Eine vollständige Angabe ist überprüfbar; eine Sammelformulierung wie „zahlreiche Veröffentlichungen“ ist es nicht und wirkt entsprechend.
| Element | Warum es Vertrauen schafft | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Eigene Seite je Rechtsgebiet | Der Suchende erkennt in Sekunden, dass seine Art von Fall hier bearbeitet wird | Nur Gebiete aufnehmen, die Sie wirklich bearbeiten wollen. Konkrete Ausgangslagen statt Paragrafenketten |
| Fachanwaltstitel am Personenprofil | Ein Nachweis, den die Kammer vergibt und nicht die Kanzlei selbst | Exakt in der verliehenen Bezeichnung führen, ohne Zusatz und ohne Steigerung |
| Foto und Werdegang jedes Berufsträgers | Der Mandant sieht, mit wem er sprechen wird, bevor er anruft | Echte Aufnahmen. Zulassungsjahr, Stationen, Sprachen. Kein Motiv aus einer Bilddatenbank |
| Veröffentlichungen, Vorträge, Lehre | Belegt die Befassung mit dem Gebiet über den einzelnen Fall hinaus | Titel, Medium oder Veranstalter, Jahr. Nichts aufnehmen, was sich nicht belegen lässt |
| Ablauf und Kosten des Erstgesprächs | Nimmt die größte Hemmschwelle vor dem ersten Anruf | Nur zusagen, was die Kanzlei einhält — die Angabe wird beim Anruf geprüft |
| Telefonnummer, sichtbar auf jeder Seite | Rechtliche Anliegen sind eilig; ein Formular ist dafür oft der falsche Kanal | Als anklickbarer Link, dazu erreichbare Zeiten und eine Rückrufzusage, die stimmt |
| Pflichtangaben und Kammerzugehörigkeit | Sorgfalt im Kleinen wird als Sorgfalt im Großen gelesen | Von jeder Seite aus erreichbar und aktuell. Den Umfang gibt Ihr Berufsrecht vor, nicht die Agentur |
Der Weg zum ersten Gespräch
Ein Formular mit drei Feldern wird ausgefüllt, eines mit zwölf Feldern nicht. Jedes zusätzliche Pflichtfeld — Anrede, Straße, Aktenzeichen, Rechtsgebiet als Auswahlliste — kostet Anfragen, die Sie nie zu sehen bekommen. Name, Erreichbarkeit, ein Freitextfeld: mehr braucht der erste Kontakt nicht. Den Rest klären Sie im Gespräch, und zwar besser.
Ebenso wichtig ist, was danach passiert. Schreiben Sie auf die Seite, wer sich meldet und in welchem Zeitraum, und halten Sie diese Zusage ein. Die Telefonnummer gehört sichtbar in den Kopf jeder Seite, nicht nur ins Impressum — ein Teil Ihrer Anrufer wird nie ein Formular benutzen. Eine Online-Terminbuchung ist ein zusätzlicher Weg, kein Ersatz für die Nummer.
Verschwiegenheit ist ein Website-Thema
Eine Kanzlei-Website darf keine Mandate verraten — auch nicht versehentlich. Mandantennamen, Logos und Referenzlisten sind der offensichtliche Teil. Der weniger offensichtliche: Auch eine anonymisierte Schilderung kann identifizierend sein, sobald Branche, Ort, Zeitraum und Streitgegenstand zusammen genannt werden. Im Zweifel bleibt der Fall von der Seite.
Dazu kommt die technische Seite, und die verantwortet die Agentur: wohin die Daten aus dem Formular laufen, wer die E-Mail-Postfächer betreibt, wo gehostet wird und welche externen Dienste eingebunden sind. Ein kurzer Hinweis am Formular, dass darüber keine vertraulichen Einzelheiten geschickt werden sollen, gehört ebenfalls dorthin. Er schützt beide Seiten.
Warum Richterhammer, Waage und Handschlag schaden
In deutschen Gerichtssälen wird kein Hammer benutzt. Trotzdem liegt auf unzähligen Kanzlei-Websites einer auf dem Schreibtisch, meist neben einer Justitia-Figur, einem Handschlag im Konferenzraum und einer Regalwand mit Gesetzbüchern. Diese Motive stammen aus Bilddatenbanken und stehen genauso auf hunderten anderen Seiten. Sie sagen nichts über Sie — und wer drei solcher Seiten hintereinander ansieht, kann sie nicht auseinanderhalten.
Der Ersatz ist unspektakulär und wirkt: Aufnahmen der Menschen, die die Mandate bearbeiten, des Besprechungsraums, des Eingangs, der Straße. Ein halber Tag mit einem Fotografen deckt das ab und trägt die Website jahrelang. Und wenn dafür kein Budget da ist, ist die bessere Entscheidung, ganz auf Bildmotive zu verzichten und mit Typografie, Weißraum und klarer Struktur zu arbeiten. Kein Bild ist glaubwürdiger als ein fremdes.
Berufsrecht: engere Grenzen als bei gewöhnlicher Werbung
Was eine Kanzlei öffentlich über sich sagen darf, richtet sich nach dem anwaltlichen Berufsrecht — BRAO und BORA — und ist enger gefasst als das, was für Handwerk oder Handel gilt. Verlangt ist eine sachliche, berufsbezogene Unterrichtung. Das Risikofeld sind reklamehafte Anpreisung, Erfolgsversprechen, Angaben zu Quoten oder gewonnenen Verfahren und der Vergleich mit namentlich genannten Kollegen.
Für die Website heißt das praktisch: keine Superlative, keine Zahlen über den Ausgang von Verfahren, keine Formulierung, die ein Ergebnis in Aussicht stellt. Das ist kein Verlust, denn die Sätze, die Vertrauen erzeugen, sind ohnehin die konkreten — was Sie bearbeiten, wie Sie arbeiten, was ein Erstgespräch kostet — und nicht die lauten. Dass Sie Ihr eigenes Berufsrecht deutlich besser kennen als wir, ist uns dabei bewusst: Unsere Aufgabe ist die Website, nicht die Auslegung Ihrer Berufsordnung.
Was Sie vor der Beauftragung vorbereiten sollten
Der Zeitplan eines Website-Projekts hängt fast nie an der Technik, sondern an Inhalten und Freigaben. Bei einer Kanzlei kommt hinzu, dass Texte über Rechtsgebiete niemand außer Ihnen inhaltlich verantworten kann. Diese Liste vor dem ersten Termin abzuarbeiten, verkürzt das Projekt spürbar — und macht das Angebot genauer, weil der Umfang dann feststeht:
- Legen Sie fest, welche drei bis fünf Rechtsgebiete die Website tragen sollen — nach dem, was Sie künftig bearbeiten wollen, nicht nach dem Bestand
- Notieren Sie je Gebiet drei bis fünf Stichpunkte: typische Ausgangslage, erste Schritte, was Sie übernehmen. Ein fertiger Text muss das nicht sein
- Stellen Sie die Angaben je Berufsträger zusammen: Zulassungsjahr, Stationen, Fachanwaltstitel in der verliehenen Bezeichnung, Sprachen, Schwerpunkte
- Sammeln Sie Veröffentlichungen, Vorträge und Lehraufträge mit Titel, Medium oder Veranstalter und Jahr
- Planen Sie einen Fototermin für Personen und Räume ein — oder entscheiden Sie bewusst gegen Bildmotive
- Entscheiden Sie, wie ein Erstkontakt ablaufen soll: Wer nimmt ihn an, in welcher Frist wird zurückgerufen, was kostet ein Erstgespräch und wie wird es abgerechnet
- Stellen Sie die berufsrechtlichen Pflichtangaben zusammen, die auf die Website gehören. Deren Umfang bestimmen Sie; wir sorgen dafür, dass sie von jeder Seite aus erreichbar und aktuell sind
- Benennen Sie eine Person, die freigibt. In einer Sozietät ist das der Punkt, der Projekte am zuverlässigsten verlängert
- Wenn es bereits eine Website gibt: Listen Sie deren Adressen auf. Nach der Umschaltung lässt sich diese Liste nicht mehr rekonstruieren, und ohne sie verlieren Sie alles, was bisher gefunden wurde
Häufige Fragen zu Websites für Anwaltskanzleien
Aus Website-Sicht: eine eigene Seite je Rechtsgebiet, Profile der Berufsträger mit Werdegang und Titeln, ein sichtbarer Weg zum Erstgespräch und die Pflichtangaben. Welche Angaben in Ihrem Fall zwingend sind, gibt Ihr Berufsrecht vor. Entscheidend ist die Reihenfolge: Was Sie bearbeiten und wer es bearbeitet, gehört nach oben, nicht auf eine Unterseite.
Werbung ist Anwältinnen und Anwälten erlaubt, muss aber sachlich und berufsbezogen bleiben; BRAO und BORA setzen dafür engere Grenzen als das allgemeine Wettbewerbsrecht. Kritisch sind reklamehafte Anpreisung, Erfolgsversprechen und Angaben zu gewonnenen Verfahren. Ob eine bestimmte Formulierung zulässig ist, entscheidet Ihre Kammer und nicht Ihre Agentur — dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Bei uns gibt es zwei feste Pakete: Standard für 1.250 € mit bis zu fünf Seiten in 2–4 Wochen und Pro für 2.100 € mit bis zu zehn Seiten und Blog in 4–6 Wochen. Eine Kanzlei mit mehreren Rechtsgebieten und Personenprofilen liegt meist im Pro-Umfang. Größeres rechnen wir individuell; der Preis steht in jedem Fall vor Projektbeginn fest.
Maßstab ist die Verschwiegenheitspflicht, und sie reicht weiter, als es zunächst scheint: Auch eine anonymisierte Schilderung kann identifizierend sein, sobald Branche, Ort, Zeitraum und Gegenstand zusammenkommen. Als Faustregel für die Website: kein Mandantenname, kein Logo, keine Fallbeschreibung ohne ausdrückliche Freigabe. Fachliche Tiefe zeigen Sie besser über Veröffentlichungen und über die Beschreibung Ihrer Arbeitsweise.
Der stärkste Hebel ist lokal: ein vollständiges Google-Unternehmensprofil mit korrekter Adresse, dazu je eine eigene Seite für die Rechtsgebiete, die Sie wirklich wollen. Gesucht wird nach Gebiet plus Ort, selten nach dem Kanzleinamen. Platzierungen kann niemand zusagen. Sie bekommen von uns Zugang zur Google Search Console und sehen dort selbst, über welche Suchanfragen Sie gefunden werden.
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