Die Weiterleitungen sind gebaut, die Seite ist umgeschaltet, alles sieht gut aus. Zwei Wochen später zeigt die Kurve in der Search Console nach unten, und im Raum steht die Frage, die niemand beantworten kann: Ist das normal? Dieser Beitrag behandelt genau diesen Teil — nicht die Vorbereitung eines Relaunchs, sondern die Wochen danach.
Eine Voraussetzung gilt dabei als erledigt: Jede alte Adresse braucht ein neues Ziel, und diese Zuordnung entsteht vor dem Umschalten — wie wir das aufsetzen, steht auf unserer Seite zum Website-Relaunch. Alles Weitere hier beginnt an dem Punkt, an dem das gemacht ist und die Zahlen trotzdem nicht so aussehen, wie sie sollen.
Ohne Ausgangswert ist ein Relaunch nicht bewertbar
Die häufigste Ursache dafür, dass ein Relaunch monatelang diskutiert statt beurteilt wird, ist banal: Es gibt keinen Vorher-Wert. Man erinnert sich, dass „mehr los war", findet aber keine Zahl, gegen die sich das prüfen ließe.
Zwei Dinge machen das später unreparierbar. Erstens hält die Google Search Console ihre Leistungsdaten nur rund 16 Monate vor. Zweitens hängen diese Daten an Adressen und Suchanfragen: Wer hinterher nicht mehr weiß, welche Seiten Klicks hatten und über welche Suchanfragen, sucht in einem Bericht, der Antworten enthält — aber nur auf Fragen, die sich nicht mehr stellen lassen.
Diese Liste gehen wir vor jedem Umschalten durch. Sie kostet etwa eine Stunde:
- Die Leistungsdaten der Search Console als Export, für die letzten zwölf Monate — einmal nach Seiten, einmal nach Suchanfragen. Zwei Dateien, die auf Ihrem Rechner liegen und nicht nur im Konto.
- Die zwanzig Seiten mit den meisten Impressionen und die zwanzig mit den meisten Klicks. Das sind selten dieselben zwanzig, und genau dieser Unterschied ist später aufschlussreich.
- Für Ihre fünf wichtigsten Seiten die Suchanfragen, über die sie gefunden werden, mit Impressionen, Klicks und durchschnittlicher Position.
- Die Zahl der indexierten Seiten aus dem Bericht zur Seitenindexierung, mit Datum daneben. Eine Zahl, aufgeschrieben, mehr nicht.
- Die Besucherzahlen der letzten drei Monate, getrennt nach Herkunft: Suche, direkt, Empfehlungen, Social.
- Die Zahl der Anfragen der letzten drei Monate und über welchen Weg sie kamen — Formular, Telefon, E-Mail, Google-Unternehmensprofil. Steht sie nirgends, schreiben Sie sie als Schätzung auf und markieren Sie sie so.
- Die gemessene Ladezeit der Startseite und zweier Unterseiten, mobil. Ohne Vorher-Messung ist „jetzt schneller" ein Gefühl.
- Ein Screenshot der Suchergebnisseite zu Ihren drei wichtigsten Suchbegriffen — der einzige Beleg dafür, wie Ihr Ergebnis vorher aussah.
Vergleichen Sie später gleich lange Zeiträume und möglichst dieselbe Jahreszeit. Vier Wochen nach dem Launch gegen die stärkste Woche des Vorjahres zu stellen, erzeugt einen Einbruch, den es nicht gibt — ein Handwerksbetrieb im Januar und derselbe Betrieb im Mai sind zwei verschiedene Datensätze.
Wie ein normaler Rückgang aussieht — und wie ein auffälliger
Ein Rückgang direkt nach dem Umschalten ist der Regelfall, und der Grund ist mechanisch: Suchmaschinen kennen Ihre Seite in der alten Fassung. Die neue Struktur müssen sie erst abrufen, den Weiterleitungen folgen, die neuen Seiten bewerten und ihren Bestand aktualisieren. Das passiert nicht an einem Tag und nicht für alle Seiten gleichzeitig, sondern verteilt über Wochen — wichtige Seiten meist früher, selten aufgerufene deutlich später.
Ein unauffälliger Verlauf sieht in der Praxis so aus: Der Rückgang beginnt in den Tagen nach dem Umschalten, betrifft viele Seiten gleichzeitig, ist aber flach statt senkrecht. Die Zahl der indexierten Seiten sinkt kurz und steigt wieder. Einzelne Seiten kommen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zurück, und die Impressionen erholen sich erkennbar vor den Positionen.
Auffällig ist dagegen etwas anderes. Diese fünf Muster sind kein Beweis für einen Fehler, aber jedes davon ist ein Grund, nachzusehen statt abzuwarten:
- Die Impressionen gehen sitewide fast auf null, statt zurückzugehen. Ein technischer Ausschluss sieht so aus, ein Bewertungsvorgang nicht
- Die Zahl indexierter Seiten sinkt über mehrere Wochen weiter, statt sich zu fangen
- Ein klar abgegrenzter Teil der Seiten kommt gar nicht wieder, während der Rest normal läuft
- Der Rückgang beginnt nicht am Umschalttag, sondern erst deutlich später — dann liegt die Ursache wahrscheinlich woanders
- Nach sechs bis acht Wochen ist überhaupt keine Bewegung nach oben erkennbar
Die verbreitete Faustregel „nach vier Wochen ist es wieder gut" taugt als grobe Orientierung, nicht als Zusage: Wie schnell sich etwas fängt, hängt am Umfang der Website, an der Zahl der geänderten Adressen und daran, wie oft Ihre Seite überhaupt abgerufen wird.
Diagnose in der Reihenfolge, die Zeit spart
Wenn die Sichtbarkeit nicht zurückkommt, wird meistens sofort über Inhalte und Texte gesprochen. Das ist der teuerste Einstieg, weil er Wochen kostet und die häufigeren Ursachen überspringt. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge — jeder Schritt macht die folgenden erst sinnvoll:
- Ist die Seite überhaupt abrufbar? Eine Sperre für Suchmaschinen aus der Bauphase, ein vergessener Passwortschutz oder eine Anweisung, die Seiten nicht aufzunehmen — das ist der stillste Grund und in fünf Minuten geprüft.
- Sind die Seiten im Index? Der Bericht zur Seitenindexierung nennt nicht nur die Zahl, sondern für jede ausgeschlossene Seite auch den Grund. Diese Begründungen zu lesen ist der ergiebigste Teil der ganzen Diagnose.
- Landen die alten Adressen auf den passenden neuen? Stichprobe aus Ihrer Vorher-Liste, im Browser. Dieser Punkt sollte vor dem Launch erledigt gewesen sein und ist trotzdem der Punkt, an dem es am häufigsten hakt.
- Sind die wichtigen Seiten inhaltlich noch dieselben? Beim Relaunch werden Texte gekürzt, Abschnitte in Bilder gelegt oder auf mehrere Seiten verteilt. Eine Seite, die vorher eine Frage vollständig beantwortet hat und jetzt nur noch anreißt, ist eine andere Seite.
- Ist die interne Verlinkung dünner geworden? Aufgeräumte Menüs und schlankere Fußzeilen sehen besser aus und schneiden gleichzeitig Wege ab.
Zum letzten Punkt eine Prüfung ohne Werkzeug: Zählen Sie die Klicks von der Startseite bis zu einer Ihrer wichtigen Seiten. Was vorher einen Klick brauchte und jetzt drei, wird seltener abgerufen — was nur noch über die interne Suche zu finden ist, gar nicht mehr. Diese Ursache wird am häufigsten übersehen, weil sie beim Ansehen der Seite nicht auffällt.
| Symptom | Mögliche Ursache | Wie prüfen |
|---|---|---|
| Fast alle Seiten verlieren gleichzeitig ihre Impressionen | Die Seite ist für Suchmaschinen gesperrt, meist aus der Bauphase | Eine beliebige Adresse in der Search Console prüfen: wird eine Sperre gemeldet? |
| Die Zahl indexierter Seiten sinkt Woche für Woche weiter | Seiten sind weggefallen oder mehrere alte Adressen zeigen auf dasselbe Ziel | Im Bericht zur Seitenindexierung die Gründe der ausgeschlossenen Seiten lesen |
| Einzelne, früher starke Seiten sind weg, der Rest ist stabil | Genau diese Seiten wurden zusammengelegt oder stark gekürzt | Neue Zielseite mit dem alten Inhalt vergleichen |
| Impressionen bleiben, aber die Klicks brechen ein | Titel und Beschreibungen wurden beim Relaunch neu geschrieben | Klickrate je Seite vor und nach dem Launch nebeneinanderlegen |
| In den Suchergebnissen stehen noch die alten Titel | Der Bestand ist für diese Seiten noch nicht aktualisiert | Adresse einzeln prüfen und das Datum des letzten Abrufs ansehen |
| Besucherzahlen normal, aber es kommen keine Anfragen | Das Formular oder sein Versand funktioniert nicht | Formular selbst abschicken und den Posteingang kontrollieren |
| Wichtige Seiten werden kaum noch abgerufen | Sie sind intern schlechter erreichbar als vorher | Von der Startseite aus klicken und die Klicks bis zur Seite zählen |
| Der Einbruch kam Wochen nach dem Launch, nicht am Launch-Tag | Die Ursache liegt vermutlich nicht am Relaunch | Launch-Datum und Einbruchsdatum in derselben Kurve übereinanderlegen |
Die ersten Wochen: eine Änderung, dann warten
Der stärkste Impuls nach einem Einbruch ist, alles gleichzeitig zu reparieren: Texte zurückändern, Titel überarbeiten, Menü umbauen, ein paar Weiterleitungen nachziehen — an einem Nachmittag. Das Problem daran ist nicht der Aufwand, sondern dass Sie danach nie erfahren, was gewirkt hat.
Wir halten uns in dieser Phase an vier Regeln:
- Eine Änderung, dann mindestens zwei Wochen warten. Vorher liegen keine Daten vor, die etwas beweisen könnten
- Datum und Änderung in einer einzigen Datei protokollieren. Zwei Spalten reichen; entscheidend ist, dass niemand später raten muss
- In dieser Phase keine neuen Adressen und kein Umbau der Struktur. Beides erzeugt genau die Bewegung, die Sie gerade beobachten wollen
- Ausnahme von allem oben: Ein technischer Ausschluss wird sofort behoben und nicht beobachtet
Wir haben unsere eigene Website im August 2026 neu gebaut und uns an dieselbe Disziplin gehalten — auch an die unbequeme Stelle, an der man zwei Wochen lang eine Kurve ansieht und nichts tut.
Was nicht zurückkommt
Eine Erwartung sollte man vorher aussprechen, weil sie sonst hinterher enttäuscht wird: Nicht jede Position kommt exakt zurück, und das liegt nicht zwingend an einem Fehler. Eine Platzierung ist kein Besitz. Sie ist das Ergebnis eines Vergleichs, und in den Wochen Ihres Relaunchs haben andere ihre Seiten ebenfalls verändert.
Dazu kommt ein Effekt, den ein Relaunch selbst erzeugt. Wenn drei dünne Seiten zu einer guten zusammengelegt wurden, ändert sich die Mischung der Suchanfragen: Ein paar sehr spezielle Begriffe fallen weg, dafür wird die verbleibende Seite für die wichtigeren Begriffe deutlicher. In der Positionsliste sieht das nach Verlust aus. In den Anfragen nicht.
Deshalb ist die belastbarere Frage nach einem Relaunch nicht „stehen wir wieder auf derselben Position", sondern: Kommen über die Suche gleich viele oder mehr passende Anfragen an als vorher? Diese Zahl steht in Ihrer Vorher-Liste — das ist der Punkt, an dem sich die Stunde Arbeit vom Anfang auszahlt.
Häufige Fragen zur Sichtbarkeit nach dem Relaunch
Ein Rückgang in den ersten Wochen ist der Regelfall, weil Suchmaschinen die geänderte Struktur erst abrufen und neu einordnen müssen. Unauffällig ist er, wenn er flach verläuft, viele Seiten gleichzeitig betrifft und sich die Zahl indexierter Seiten wieder fängt. Ein Absturz auf nahezu null sieht anders aus und ist meist technisch.
Das hängt davon ab, wie oft Ihre Seite abgerufen wird, wie viele Adressen sich geändert haben und wie groß die Website ist. Übliche Größenordnung sind einige Wochen, und die Erholung verläuft nicht für alle Seiten gleichzeitig. Ein konkreter Zeitpunkt lässt sich nicht versprechen, und Sie sollten misstrauisch werden, wenn es jemand tut.
Legen Sie das Launch-Datum und den Beginn des Rückgangs in derselben Kurve übereinander. Beginnt der Rückgang in den Tagen nach dem Umschalten, ist der Zusammenhang wahrscheinlich. Setzt er erst Wochen später ein, sollten Sie zuerst nach anderen Ursachen suchen, statt am Relaunch weiterzuarbeiten.
Mindestens vier: welche Seiten Klicks und Impressionen bekommen, über welche Suchanfragen, wie viele Seiten indexiert sind, und wie viele Anfragen zuletzt über welchen Weg kamen. Exportieren Sie die Leistungsdaten der Search Console als Datei, statt sich auf das Konto zu verlassen — dort reichen die Daten nur rund 16 Monate zurück.
Manche ja, indem die Ursache behoben wird — eine fehlende Weiterleitung, ein technischer Ausschluss, eine Seite, die es nicht mehr gibt. Eine bestimmte alte Position wiederherzustellen, ist dagegen nichts, was jemand liefern kann, weil sie immer aus einem Vergleich mit anderen entsteht. Aussagekräftiger ist die Entwicklung der Anfragen über die Suche.
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