Die folgenden zwölf Punkte gehen wir vor jedem Launch durch, auch bei kleinen Seiten. Sie sind nach Schadenshöhe sortiert: Was oben steht, kostet am meisten, wenn es fehlt, und lässt sich am schlechtesten nachträglich reparieren.
Die drei Punkte, die am teuersten werden
Wenn Sie nur Zeit für drei Dinge haben, dann für diese. Alle drei haben gemeinsam, dass der Schaden erst Wochen später sichtbar wird — und dass er dann nicht mehr vollständig rückgängig zu machen ist.
- 1. Weiterleitungen für jede alte Adresse. Jede Unterseite der alten Website braucht ein neues Ziel. Fehlt die Weiterleitung, laufen bestehende Suchergebnisse und fremde Links ins Leere — und die Sichtbarkeit, die über Jahre entstanden ist, ist weg
- 2. Die alte Seite vorher vollständig erfassen. Nach dem Launch lässt sich nicht mehr nachschlagen, welche Seiten es gab. Liste vorher exportieren, nicht danach suchen
- 3. Analytics und Search Console am Tag des Launches prüfen. Wenn die Messung erst zwei Wochen später auffällt, fehlen zwei Wochen Vergleichsdaten — genau die, die zeigen würden, ob der Relaunch etwas gebracht hat
Technik
- 4. Die Seite ist über https erreichbar und http leitet automatisch dorthin um
- 5. Nur eine Variante der Domain ist erreichbar — entweder mit oder ohne www, die andere leitet weiter. Beide gleichzeitig erreichbar heißt: zwei Websites mit identischem Inhalt
- 6. Die Sitemap ist erreichbar, aktuell und in der Google Search Console eingereicht
- 7. Die Testphase ist beendet: Die Seite ist nicht mehr für Suchmaschinen gesperrt. Eine vergessene Sperre aus der Bauphase ist der stillste und ärgerlichste Launch-Fehler überhaupt
Inhalt und Bedienung
- 8. Jede Seite hat einen eigenen Titel und eine eigene Beschreibung — keine Dubletten, keine leeren Felder
- 9. Alle inhaltstragenden Bilder haben Alternativtexte
- 10. Das Kontaktformular wurde einmal echt abgeschickt, und die Nachricht ist tatsächlich angekommen. Nicht angenommen: geprüft
Recht und Betrieb
- 11. Impressum und Datenschutzerklärung sind vorhanden, aktuell und von jeder Seite aus erreichbar. Der Cookie-Hinweis fragt vor dem Setzen nicht-notwendiger Cookies, nicht danach
- 12. Backups laufen automatisch, und jemand weiß, wie man sie zurückspielt. Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung, kein Backup
Warum die Reihenfolge wichtiger ist als die Liste
Fast jede Relaunch-Checkliste im Netz ist thematisch sortiert — erst Technik, dann Inhalte, dann Recht. Das liest sich ordentlich, hilft aber unter Zeitdruck nicht, und unter Zeitdruck steht man vor einem Launch immer.
Deshalb ist diese Liste nach Schadenshöhe geordnet. Der Unterschied ist praktisch: Ein fehlender Alternativtext lässt sich in vier Wochen nachtragen, ohne dass etwas verloren geht. Eine fehlende Weiterleitung kostet in denselben vier Wochen Sichtbarkeit, die nicht zurückkommt, weil die alten Suchergebnisse in der Zwischenzeit aus dem Index fallen.
Wenn Sie also am Vorabend feststellen, dass Sie nicht alles schaffen: Arbeiten Sie von oben nach unten und lassen Sie unten etwas liegen. Das ist die richtige Entscheidung, nicht die faule.
„Das macht doch die Agentur"
Meistens ja. Der Einwand ist trotzdem der Grund, warum wir diese Liste veröffentlichen: Sie ist auch dann nützlich, wenn Sie nicht mit uns arbeiten — als Fragenkatalog an Ihren Dienstleister.
Zwei Punkte lohnen sich besonders, weil sie sich nicht durch Zusicherung erledigen lassen, sondern nur durch Nachsehen: Lassen Sie sich die Weiterleitungsliste zeigen, bevor die Seite live geht — nicht die Zusage, dass es sie gibt, sondern die Datei. Und schicken Sie das Kontaktformular selbst einmal ab, statt sich bestätigen zu lassen, dass es funktioniert.
Beides dauert fünf Minuten und deckt die zwei Fehler ab, die wir in der Praxis am häufigsten sehen.
Was in den ersten zwei Wochen zu beobachten ist
Nach dem Launch ist die Arbeit nicht vorbei, aber sie wird ruhig. Sinnvoll ist, in den ersten zwei Wochen drei Dinge im Blick zu behalten: ob die Search Console neue Fehler meldet, ob die Zahl der indexierten Seiten steigt statt fällt, und ob Anfragen weiterhin ankommen.
Ein kurzer Rückgang der Sichtbarkeit direkt nach einem Relaunch ist normal, weil Suchmaschinen die neue Struktur erst erfassen müssen. Was nicht normal ist: ein Rückgang, der nach vier Wochen nicht zurückkommt. Dann lohnt der Blick zurück auf Punkt 1.
Und ein Hinweis, den wir uns selbst geben mussten: Widerstehen Sie der Versuchung, in Woche eins gleich nachzubessern. Wer währenddessen ständig ändert, kann hinterher nicht mehr sagen, was gewirkt hat.
Notieren Sie stattdessen am Launch-Tag drei Zahlen: die Anzahl indexierter Seiten, die Besucherzahl der Vorwoche und die Zahl der Anfragen im Vormonat. Ohne diesen Ausgangspunkt lässt sich vier Wochen später nicht beurteilen, ob der Relaunch etwas gebracht hat — und die Diskussion darüber wird dann eine Frage des Gefühls statt der Messung.
Genau deshalb steht Punkt 3 so weit oben. Alles andere auf dieser Liste können Sie nachholen; einen fehlenden Vorher-Wert können Sie nicht rekonstruieren.
Häufige Fragen zum Go-live
Früh in der Woche und früh am Tag — Dienstag- oder Mittwochvormittag. Der Grund ist banal: Wenn etwas klemmt, sind alle Beteiligten erreichbar. Ein Freitagnachmittag-Launch bedeutet im Zweifel ein Wochenende mit einer halb funktionierenden Seite.
Nehmen Sie die Liste der alten Adressen und rufen Sie eine Stichprobe davon im Browser auf. Jede muss ohne Fehlermeldung auf der passenden neuen Seite landen — nicht pauschal auf der Startseite. Eine Sammelweiterleitung aller alten Adressen auf die Startseite ist der häufigste Pfusch und wirkt für Suchmaschinen wie eine gelöschte Seite.
Meist einige Tage bis wenige Wochen. Beschleunigen lässt sich das, indem Sie die Sitemap in der Google Search Console einreichen und die wichtigsten Seiten dort einzeln zur Indexierung anmelden. Versprechen lässt sich der Zeitpunkt nicht.
Behalten Sie eine Sicherung, nicht die laufende Seite. Ein vollständiges Backup aus der Woche vor dem Launch ist die Rückfalloption, falls etwas Grundlegendes übersehen wurde. Die alte Seite parallel online zu lassen, ist dagegen keine gute Idee — zwei Websites mit denselben Inhalten konkurrieren miteinander.
Zuerst prüfen, ob überhaupt gemessen wird: In vielen Fällen ist nicht die Anfrage weg, sondern das Tracking. Danach die Weiterleitungen kontrollieren und in der Search Console nach neuen Fehlern sehen. Erst wenn beides sauber ist, lohnt es sich, über Inhalte zu sprechen.
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