Die Frage kommt inzwischen in fast jedem Erstgespräch: Braucht man überhaupt noch jemanden, der eine Website baut, wenn ein Modell in zwei Minuten eine vollständige Seite ausgibt? Die ehrliche Antwort ist weder „ja, natürlich“ noch „nein, das ist Spielerei“. Sie hängt davon ab, welche Aufgabe man dem Werkzeug gibt — und dieser Beitrag versucht, die Trennlinie so konkret zu ziehen, dass Sie sie selbst nachprüfen können.
Vorweg, damit Sie den Rest richtig einordnen: Wir arbeiten selbst mit diesen Werkzeugen. Wie genau, steht weiter unten. Das ist kein Beitrag, der ein Werkzeug schlechtredet, weil es die eigene Arbeit berührt.
Was KI heute wirklich gut kann
Fangen wir mit dem an, was funktioniert. Der größte Nutzen ist nicht die fertige Seite, sondern der Weg weg vom leeren Bildschirm. Es ist erheblich leichter, auf einen mittelmäßigen Entwurf zu reagieren, als aus dem Nichts anzufangen. Ein Text, den Sie ablehnen, bringt Sie weiter als eine leere Seite, die Sie anstarren — weil beim Ablehnen zum ersten Mal ausgesprochen wird, was eigentlich dastehen müsste.
- Eine erste Gliederung: welche Abschnitte eine Leistungsseite üblicherweise hat und in welcher Reihenfolge sie stehen
- Rohfassungen, an denen Sie sehen, was fehlt — das merkt man fast nie an der Gliederung, sondern erst am konkreten Satz
- Fünf Varianten einer Überschrift, wenn die eigene sich festgefahren hat
- Alt-Texte für Bilder als Ausgangspunkt, die Sie danach an das tatsächlich verwendete Bild anpassen
- Übersetzungsentwürfe, wenn eine zweite Sprachfassung geplant ist und jemand sie anschließend prüft
- Zusammenfassungen langer Notizen, etwa aus einem mitgeschriebenen Kundengespräch
Das ist kein kleiner Nutzen. Wer schon einmal versucht hat, an einem Freitagabend die Texte für die eigene Website zu schreiben, weiß, dass der Widerstand nicht beim Formulieren liegt, sondern beim Anfangen. Genau diesen Widerstand nimmt das Werkzeug zuverlässig weg.
Was KI nicht kann — und warum genau das teuer wird
Ein Modell kennt Ihre Preise nicht. Es kennt die drei Einwände nicht, die Sie jede Woche am Telefon entkräften. Es weiß nicht, welche Ihrer Leistungen tatsächlich Geld verdient und welche Sie nur aus Gewohnheit anbieten. Es kennt Ihre rechtlichen Pflichten nicht, und es weiß nicht, welche Kunden Sie eigentlich haben wollen. Alles davon ist Voraussetzung für eine Seite, die etwas bewirkt.
Der entscheidende Punkt liegt aber noch eine Ebene darüber: Ein Modell entscheidet nicht, wofür eine Seite da ist. Es füllt eine Seite. Die Frage, ob diese Seite Anfragen erzeugen, Bewerbungen bringen, unpassende Anfragen abwehren oder schlicht Vertrauen herstellen soll, kann es nicht beantworten — und es sagt Ihnen auch nicht, dass es sie nicht beantwortet hat.
Daraus folgt das eigentliche Risiko. Offensichtlich falscher Text ist harmlos: Er fällt auf und wird gelöscht. Teuer ist der Text, der stimmig klingt und in einem Detail nicht stimmt. Den korrigiert niemand, weil niemand ihn für korrekturbedürftig hält.
Ein Beispiel, wie es real vorkommt: Ein Entwurf schreibt „Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich bei Ihnen vor Ort“. Klingt harmlos, klingt nach jeder Dienstleisterseite. Wenn Sie Vor-Ort-Termine aber nur im näheren Umkreis kostenlos machen und darüber hinaus berechnen, steht auf Ihrer Website ein Versprechen, das Sie im ersten Telefonat zurücknehmen müssen. Das Gespräch beginnt dann mit einer Enttäuschung — und Sie haben nicht einmal gemerkt, wo sie herkam.
Aufgabe für Aufgabe: wo das Werkzeug trägt
Statt pauschal über „KI-Websites“ zu reden, lohnt sich der Blick auf einzelne Arbeitsschritte. Die Grenze verläuft nicht zwischen Text und Technik, sondern zwischen Formulieren und Festlegen. Formulieren kann das Werkzeug. Festlegen nicht.
| Aufgabe | KI geeignet? | Warum |
|---|---|---|
| Gliederung einer Seite entwerfen | Ja, als Vorschlag | Seitenaufbauten folgen wiederkehrenden Mustern. Ein Vorschlag zeigt Ihnen sofort, welcher Abschnitt bei Ihnen fehlt oder überflüssig ist. |
| Rohfassung und Formulierungsvarianten | Ja, mit Nachbearbeitung | Der Entwurf ist Material, keine Endfassung. Sein Wert liegt darin, dass Sie daran widersprechen können. |
| Alt-Texte für Bilder | Ja, als Ausgangspunkt | Ein Vorschlag ist besser als ein leeres Feld. Er muss aber beschreiben, was auf Ihrem Bild zu sehen ist, nicht was üblicherweise auf solchen Bildern zu sehen ist. |
| Übersetzung in eine zweite Sprache | Ja, als Entwurf | Für den Rohbau brauchbar. Fachbegriffe, Ortsnamen und alles Rechtliche muss jemand prüfen, der die Zielsprache beherrscht. |
| Preise, Leistungsumfang, Fristen, Garantien | Nein | Das sind Zusagen, an denen Sie gemessen werden. Ein Modell kann sie nur erfinden, und erfundene Zusagen erkennen Sie erst, wenn ein Kunde sie einfordert. |
| Impressum, Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung | Nein | Pflichtangaben hängen von Ihrer Rechtsform, Ihrem Angebot und Ihren Datenflüssen ab. Ein generierter Text sieht vollständig aus, ohne es zu sein. |
Generisch an genau den Stellen, die spezifisch sein müssen
Auffällig ist, wo generierter Text unscharf wird. Nicht bei Nebensächlichkeiten — dort schreibt er sauber und flüssig. Unscharf wird er ausgerechnet an den vier Stellen, an denen eine Website überhaupt erst nützlich wird:
- Preis: „faire und transparente Preise“ statt einer Zahl oder wenigstens der Rechenlogik dahinter
- Ablauf: „individuell auf Sie abgestimmt“ statt der Angabe, was in Woche eins passiert und was Sie dafür liefern müssen
- Zusagen: „höchste Qualität“ statt einer Aussage, an der man Sie messen kann
- Zielgruppe: „für Unternehmen jeder Größe“ statt der beiden Kundentypen, mit denen Sie tatsächlich am besten arbeiten
Das ist logisch: Diese vier Angaben stehen nirgends im Netz, weil sie nur in Ihrem Kopf und in Ihren Rechnungen existieren. Ein Modell kann nur Sprache aus vorhandener Sprache erzeugen. Genau der Teil, den es nicht liefern kann, ist der einzige Teil Ihrer Website, den Ihr Mitbewerber nicht ebenfalls hat.
Ein Test, der eine Minute dauert: Nehmen Sie einen generierten Absatz und streichen Sie den Firmennamen heraus. Wenn er danach genauso gut auf der Website von drei anderen Betrieben stehen könnte, ist er nicht fertig. Das ist kein Stilproblem, sondern ein Informationsproblem — und es lässt sich nicht durch bessere Wörter beheben, sondern nur durch mehr Wissen.
Zwei harte Grenzen: Rechtstexte und Bilder
Rechtstexte gehören nicht ins Werkzeug
Impressum, Datenschutzerklärung und — je nach Angebot — Widerrufsbelehrung und AGB sind keine Inhalte, sondern Pflichtangaben. Was hineingehört, hängt von Ihrer Rechtsform ab, davon, ob Sie umsatzsteuerpflichtig sind, welche Berufsbezeichnung Sie führen, welche Dienste auf Ihrer Website Daten verarbeiten und ob Sie an Verbraucher verkaufen. Ein generierter Text kennt nichts davon und sieht trotzdem vollständig aus. Das ist die gefährliche Kombination.
Dasselbe gilt für die Datenschutzerklärung in der Gegenrichtung: Sie muss beschreiben, was Ihre Website tatsächlich tut. Wenn dort Dienste stehen, die Sie nicht einsetzen, oder Dienste fehlen, die eingebunden sind, ist der Text nicht nur unnütz, sondern falsch. Solche Texte gehören zu einem Anwalt oder einem geprüften, gepflegten Generator — und in beiden Fällen muss jemand nachhalten, dass sie zu Ihrer echten Einbindung passen.
Generierte Bilder zeigen nicht Ihre Arbeit
Bei Bildern ist die Sache weniger juristisch und dafür grundsätzlicher. Ein generiertes Foto eines Teams ist kein Foto Ihres Teams. Ein generiertes Werkstück ist keines Ihrer Werkstücke. Wer so etwas als Referenz oder als „unser Team“ auf die Seite stellt, stellt die eigene Firma falsch dar — unabhängig davon, wie gut das Bild aussieht. Und Besucher erkennen generierte Bilder heute deutlich häufiger, als den meisten Betrieben lieb ist.
Dazu kommt, dass Rechte und Herkunft generierter Bilder derzeit nicht abschließend geklärt sind. Das ist ein zweiter Grund, vorsichtig zu sein, aber nicht der wichtigste. Wir setzen generierte Bilder nicht ein, um reale Arbeit, reale Menschen oder reale Ergebnisse darzustellen. Für abstrakte Illustrationen oder Hintergründe kann man darüber reden; für alles, was der Leser als Beleg lesen könnte, nicht.
Die praktische Alternative ist unbequemer und wirkt besser: ein Nachmittag mit einer ordentlichen Kamera im eigenen Betrieb. Echte Räume, echte Leute, echte Arbeit. Das schlägt jedes perfekte Stockbild und jedes generierte Motiv, weil es die einzige Bildsprache ist, die Ihre Mitbewerber nicht auch verwenden können.
Die Reihenfolge, die tatsächlich funktioniert
Aus alldem folgt kein Verbot, sondern eine Reihenfolge. Sie ist unspektakulär, aber sie ist der Unterschied zwischen einer Website, die nach etwas aussieht, und einer, die stimmt:
- Zweck festlegen, bevor irgendetwas geschrieben wird: Wer landet auf dieser Seite, mit welcher Frage, und was soll danach passieren. Diese Entscheidung trifft ein Mensch.
- Entwurf erzeugen lassen — Gliederung und Rohtext. Ausdrücklich als Material, nicht als Ergebnis.
- Struktur prüfen und umbauen: Was fehlt, was ist doppelt, was steht an der falschen Stelle. Meist wandert die wichtigste Information nach oben.
- Jede Tatsache verifizieren: Preise, Fristen, Leistungen, Zuständigkeiten, Öffnungszeiten, Ortsangaben, Zahlen, Namen. Alles, was Sie nicht selbst geliefert haben, gilt bis zum Gegenbeweis als erfunden.
- Jeden Satz neu schreiben, der eine Behauptung enthält. Behauptungen sind der Teil, für den Sie geradestehen — sie müssen aus Ihrem Betrieb kommen, nicht aus einem Sprachmodell.
- Rechtstexte und Bilder außerhalb dieses Ablaufs erledigen: Rechtstexte über Anwalt oder geprüften Generator, Bilder aus dem echten Betrieb.
- Eine Person benennen, die vor Veröffentlichung alles gelesen hat und für den Inhalt verantwortlich ist. Ohne diesen Schritt hat am Ende niemand entschieden.
Schritt vier und fünf sind der ganze Aufwand — und der Punkt, an dem sich zeigt, ob eine Zeitersparnis übrig bleibt. Bei Standardabschnitten bleibt sie es meistens. Bei einer Leistungsseite mit Preisen und Zusagen ist es oft schneller, den Entwurf als Gedankenstütze zu behandeln und den Text selbst zu schreiben.
Wie wir selbst damit arbeiten
Wir nutzen diese Werkzeuge im Alltag: für erste Gliederungen, für Rohfassungen, für Varianten einer Überschrift, für Alt-Text-Vorschläge und als zweite Meinung zu einem Absatz, der nicht rund wird. Das zu verschweigen wäre albern — die meisten Leser nehmen es ohnehin an, und die Glaubwürdigkeit ist mehr wert als die Behauptung, alles sei handgeschrieben.
Die Regel dahinter ist einfach und gilt ausnahmslos: Jede Aussage, die veröffentlicht wird, verantwortet ein Mensch. Preise, Fristen, Zusagen und Rechtstexte werden nicht generiert. Jede Zahl wird gegen die Quelle geprüft. Und was wir über einen Kunden schreiben, stammt aus dem Gespräch mit ihm, nicht aus einer Ergänzung des Modells.
Als wir im August 2026 unsere eigene Website neu gebaut haben, war das genau der Ablauf. Der Anteil, der wirklich Zeit gekostet hat, war nicht das Schreiben. Es war das Entscheiden, was jede Seite leisten soll, und das anschließende Prüfen jeder einzelnen Angabe. Das Werkzeug hat den Anfang leichter gemacht und beim Rest nicht geholfen.
Brauchen Sie also noch jemanden, der das macht?
Ehrliche Antwort: nicht zwingend. Wenn Sie ein klares Angebot haben, gern schreiben, Ihre Kunden gut kennen und bereit sind, sich in ein System einzuarbeiten, kommen Sie mit einem generierten Entwurf und einem gängigen Baukasten oder einem einfachen Aufbau weiter, als es vor ein paar Jahren möglich war. Das ist kein Satz gegen unser Angebot, sondern eine Beobachtung.
Sinnvoll wird fremde Hilfe an anderer Stelle: wenn Struktur und Prioritäten unklar sind, wenn die Seite verkaufen und nicht nur existieren soll, wenn Technik, Tempo, Barrierefreiheit und Rechtstexte zusammenpassen müssen — oder schlicht, wenn Ihre Zeit an anderer Stelle mehr wert ist. Der Unterschied liegt selten im Schreiben. Er liegt im Entscheiden und im Prüfen, und genau diese beiden Schritte hat noch kein Werkzeug übernommen.
Häufige Fragen zu Websites mit KI
Technisch entsteht so in kurzer Zeit etwas Vollständiges. Was fehlt, sind die Angaben, die nur Sie haben: Preise, Abläufe, Zusagen und die Frage, wofür jede Seite eigentlich da ist. Ohne diese Prüfung veröffentlichen Sie Aussagen über Ihr Unternehmen, die niemand geprüft hat — und für die Sie trotzdem geradestehen.
Maßgeblich ist, ob eine Seite die Frage des Nutzers vollständig und zutreffend beantwortet, nicht das Werkzeug, mit dem sie entstanden ist. Generierte Texte scheitern in der Praxis meist daran, dass sie allgemein bleiben und nichts enthalten, was nicht schon anderswo steht. Eine bestimmte Position kann Ihnen ohnehin niemand seriös zusagen — wer das tut, sollte Sie misstrauisch machen.
Davon raten wir ab. Diese Texte hängen von Ihrer Rechtsform, Ihrem Angebot und den auf Ihrer Website tatsächlich eingebundenen Diensten ab, und ein generierter Text sieht vollständig aus, ohne es zu sein. Nutzen Sie einen Anwalt oder einen gepflegten, geprüften Generator. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung; Ihr Fall gehört zu Ihrem Anwalt oder Ihrer Kammer.
Nicht dort, wo der Leser sie als Beleg liest. Generierte Bilder von „unserem Team“ oder „unseren Projekten“ stellen Ihren Betrieb falsch dar, und Rechte sowie Herkunft solcher Bilder sind derzeit nicht abschließend geklärt. Für abstrakte Illustrationen kann man darüber reden; für Menschen, Räume und Arbeitsergebnisse sind eigene Fotos die bessere und glaubwürdigere Lösung.
Beim Anfangen ja, deutlich. Beim Fertigwerden kaum. Die Zeit verschiebt sich vom Schreiben zum Prüfen: Jede Zahl, jede Frist und jede Zusage muss gegen die Wirklichkeit gehalten werden. Bei Standardabschnitten bleibt unter dem Strich eine Ersparnis, bei Seiten mit Preisen und Zusagen oft nicht.
Häufiger, als man denkt — allerdings selten bewusst. Auffällig ist nicht der Stil, sondern die Beliebigkeit: Sätze, die auf jeder Website der Branche stehen könnten. Der Eindruck ist dann nicht „das ist KI“, sondern „das sagt mir nichts“, und der Besucher liest weiter bei jemand anderem.
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